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Der aktuelle Impuls

Impuls zum Beginn der Fastenzeit: Die Trauerzeit ist auch eine Zeit des Verzichts

 

Seit Corona Teil des Alltags geworden ist, müssen viele verzichten: Verzicht auf die Nähe zum geliebten Mitmenschen! Nicht nur, dass Umarmungen und körperliche Nähe nicht mehr besonders gern gesehen sind und man zeitweise ohnehin nicht viel unternehmen konnte, auch der Tod nach einem schweren Verlauf der Corona-Erkrankung entriss vielen den geliebten Mitmenschen. Diese Art von Verlust und der erzwungene Verzicht auf Trost macht die Betroffenen nicht nur traurig, sondern auch einsam. Zudem tritt eine Wandlung ein: Mit dem Verlust eines nahestehenden Menschen ist plötzlich alles anders. Und damit meine ich nicht nur den Verlust des Verstorbenen selbst, den Verlust von Mitmenschen, die sich nur mit einem befasst haben, weil man eben der Ehepartner des Freundes oder des Verwandten war oder in manchen Fällen eine Veränderung der Lebensverhältnisse in finanzieller Hinsicht. Nein, auch eine persönliche Wandlung!

 

In jedem Augenblick kann die Trauer Pläne und Vorhaben durchkreuzen, Handlungsfähigkeit oder Starre verursachen. Ein Trauernder fühlt sich wie in einer Achterbahn der Gefühle, erlebt extreme Gefühle und Gefühlsschwankungen. Mal beschließt man, zur Ablenkung von der Trauer etwas mit einer nahestehenden Person zu unternehmen und im nächsten Moment muss man die betreffende Person mit einer Absage überraschen. „Du, ich fühle mich doch noch nicht fit genug, mal wieder rauszukommen!“ Zu allem Übel reagiert die nahestehende Person dann häufig mit Befremden und Unverständnis „Was soll das? Du hast doch erst gestern selbst vorgeschlagen…!“ So erlegt die Trauer einem auch noch einen Verzicht auf Verständnis, Kontakt zu Nahestehenden und den einen oder anderen kleinen Ausflug im Freien auf. In gewisser Weise ist die Trauer auch ein Verzicht auf das eigene Ich. Man erkennt sich in vielen Situationen nicht wieder, ist selbst überrascht, wie schnell man auf Probleme gereizt reagiert. Oft versteht man sich in der Trauerphase folglich selbst nicht.

 
Man wird in der Trauerphase sich und anderen also ein Rätsel. Die Art des Umgangs mit Trauer ist dabei so individuell wie der Mensch – wenn es auch durch die lokale Trauerkultur und familiäre Traditionen bedingt viele Gemeinsamkeiten unter den meisten Trauernden gibt. (In meiner Familie z.B. das Verbrennen von Salbei am Grab des Verstorbenen, im westlich-geprägten Kulturkreis das Tragen von Schwarz als Zeichen der Trauer und v.a., das Weinen um den Verstorbenen!) Die Ursache für die Unterschiede jedoch findet sich in einer Mischung aus dem persönlichen Schicksalsschlag, dem eigenen Umgang mit der Trauer und den Lebensumständen.

 

Dabei ist es wichtig, jemanden mit gleicher Art, mit Trauer umzugehen, zu finden – oder zumindest jemanden, der für die eigene Trauersprache ehrliches – und nicht nur erzwungenes, falsches - Verständnis hat. Für Trauernde ist dieses Verständnis nämlich noch viel mehr als nur ein gutes Gefühl. Wenn man jemanden hat, der die gleiche „Trauersprache“ spricht oder sie zumindest versteht, ist das wie ein Spiegel den man vorgesetzt bekommt, um sich selbst in der Trauer besser kennenzulernen. Man lernt, sich im Verhalten des anderen wiederzuerkennen und denkt nicht nur über das Verhalten des anderen nach, sondern betreibt auch Selbstreflexion. Man erkennt Gemeinsamkeiten und kleine Unterschiede. Man sieht Gemeinsamkeiten zwischen sich, wie man früher war und wie man jetzt ist und Gemeinsamkeiten zwischen der anderen Person und sich selbst. Man lernt sich durch diesen Trauerprozess neu kennen und kann besser sagen, was gut und was weniger gut für einen ist. Es ist ein Weg, der einen besseren Umgang mit der Trauersituation ermöglicht und der der Heilung die Tür öffnet. Jemand der beispielsweise trauerbedingt öfter als vorher gereizt reagiert, lernt so besser mit stressigen Situationen in der Trauerphase umzugehen. Man erkennt, dass etwas - in dem Fall die Gereiztheit – in bestimmten Situationen einfach Teil des eigenen Ichs ist, lernt dies zu akzeptieren und schließlich im letzten Teil der Trauerphase zu bewältigen, um zu seinem „normalen“ Selbst zurückzufinden. (Den Begriff „zu seinem früheren Selbst“ habe ich dabei ganz bewusst vermieden, da ein wenig Trauer immer bleibt und „zu seinem früheren Selbst“ finden in manchen Fällen für die Trauernden eben nicht möglich ist – schon allein, weil die eigene Lebenssituation nach dem Todesfall eben eine völlig andere wird -, wohl aber, dass sie zu einem erfüllten Leben zurückfinden.)

 

Menschen, die ihre Trauersprache kennengelernt haben, berichten rückblickend, dass sie sich reich beschenkt fühlen. Sie sprechen von klareren Lebenszielen, fühlen einen ganz neuen Selbstwert und eine neue Selbstliebe, lernen nötigen und unnötigem psychischem Ballast voneinander zu trennen – und empfinden neben der Trauer eine Dankbarkeit dafür, dass der Verstorbene einen ein Stück des eigenen Lebenswegs begleitet hat.

 

Doris Schlapansky

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» katholisch.de

 

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