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Der aktuelle Impuls

Wie man Trauernden helfen kann

 

Trauer braucht Raum und Zeit – so kann es sein, dass erst Monate nach der Bestattung der schmerzliche Verlust besonders deutlich wird. Vor allem ältere Menschen müssen sich immer wieder mit dem Tod auseinandersetzen, wenn etwa Geschwister, Cousin, der Partner oder einer der wenigen noch verbliebenen Freunde stirbt. Oft suchen sie dann ganz bewusst das Gespräch. Da hilft es, schöne Erinnerungen an den Verstorbenen zu teilen, sich in den Arm zu nehmen oder gemeinsam zu schweigen. Vor allem in den ersten Monaten wird der Trauernde vermutlich viel seelische, aber auch praktische Unterstützung brauchen. Neben dem gemeinsamen Schwelgen in Erinnerungen an den Verstorbenen und dem Führen von tröstlichen Gesprächen kann man dem Trauernden beispielsweise seine Hilfe im Haushalt anbieten oder für kurze Zeit die Pflege seiner Haustiere übernehmen – wobei man es natürlich akzeptieren sollte, wenn der Trauernde das nicht möchte; vor allem im Beisammensein mit dem eigenen Haustier finden viele schließlich Trost und Beruhigung am späten Abend, wenn die menschlichen Freunde bereits nach Hause gegangen sind. Und hinzu kommt bei der Pflege eines Haustiers noch das Gefühl, gebraucht zu werden. Blumenschmuck für die Beerdigung aussuchen, mit zum Bestatter oder Steinmetz gehen ohne dem Trauernden den eigenen Geschmack aufzudrängen – einen Trauernden unterstützt man am besten durch konkrete Hilfe, die entlastet und Raum für Trauer und Gefühle schafft. Wichtig dabei ist, dass man selbst auf den Trauernden – ohne aufdringlich zu werden und ohne zu schmollen, sollte der Trauernde ablehnen - zugeht und ihm eine konkrete Form von Hilfe („Möchtest Du, dass ich mitkomme und Dich bei der Wahl der Grabdekoration berate?“, „Wenn es für Dich gerade zu stressig ist mit diesen zwei lauten Sittichen im Haus, kann ich die auch eine Weile zu mir nehmen. Möchtest Du das?“, „Komm; lass mich jetzt einmal für Dich kochen. Du hast momentan sicher andere Sorgen!“) anbietet, statt zu warten, dass der Trauernde selbst aktiv um Hilfe bittet. Auf manche Menschen wirkt Trauer lähmend und selbst wenn sie vorher nicht so waren, können sie sich während der Trauerzeit selbst nicht dazu aufraffen, auf andere zugehen und aktiv Hilfe zu suchen. Bei älteren Menschen (v.a. älteren Männern) muss man zudem bedenken, dass diese so erzogen wurden, nicht über Probleme zu reden und dass es ein Zeichen von Schwäche sei, wenn man bei der Bewältigung eines Problems Hilfe sucht. Vor allem seelische Probleme waren früher sowohl für Männer als auch für Frauen sowieso ein absolutes Tabu-Thema.

 

Zusätzlich zur Trauer müssen sich die Hinterbliebenen mit Fragen der Haushaltsauflösung beschäftigen. Was möchte ich behalten, und was kann weg? Was mache ich mit den wertvollen Sachen, und wohin mit dem Gerümpel? Und wer kann mir helfen? Trauerbegleiter empfehlen häufig den Betroffenen, eine Vertrauensperson mitzunehmen.
Der Freund ist eine seelische Stütze. Vor allem schaut er neutraler auf die Dinge, als man es selbst in so einer Ausnahmesituation kann und hakt nach, was genau man mit diesem oder jenem Gegenstand verbindet. Manche Trauernde wollen ganz viel behalten, weil sie denken, das alles ist unwiederbringlich - was es ja auch ist – und haben dann einen Haufen Sachen bei sich zu Hause rumstehen, zu denen sie keinen richtigen emotionalen Bezug haben. Schließlich verbindet man nicht mit allem, was dem Verstorbenen gehört hat auch eine Erinnerung. Wer würde beispielsweise behaupten, er könne mit jedem einzelnen Kleidungsstück des Verstorbenen, mit jedem Möbelstück oder mit jeder einzelnen Vase und Dekofigur, die in seinem Haus stand eine konkrete Erinnerung an diese Person verbinden? Das andere Extrem ist, bis auf ganz wenige persönliche Dinge alles wegzuwerfen und später bereut man, das eine oder andere entsorgt zu haben. Das liegt vermutlich daran, dass einem erst eine gewisse Zeit später richtig bewusstwird, was man mit dem Gegenstand alles für kleine, unscheinbare Erinnerungen verbindet.
Beide Extreme sind also nicht gesund. Gefragt ist ein Mittelmaß. So kann es sinnvoll sein, nur ein Kleidungsstück des Verstorbenen aufzubewahren. Dann kann man es immer wieder herausholen. So ein Erinnerungsstück sollte man nicht geringschätzen.

 

Natürlich werden bei der Haushaltsauflösung viele Emotionen hochkommen. Seelsorger empfehlen, diese zuzulassen. Trauer braucht Ausdruck. Und Tränen und Gefühlezeigen sind dieser Ausdruck. Deshalb ist es so wichtig, dass die Person, die man miteinbezieht einerseits empathisch ist, andererseits aber selbst keinen Bezug zum Verstorbenen hatte. Trauerbegleiter empfehlen, durch die Räume zu gehen – ob alleine oder mit unterstützender Begleitperson - und zunächst einmal die Sachen mitzunehmen, die man auf jeden Fall behalten möchte. Manchmal hilft auch, wenn man sich selbst fragt und mit jemandem darüber redet, was der Verstorbene vermutlich gewollt hätte. Hätte er es beispielsweise wirklich für gut befunden, wenn seine Lieblingsbücher im Müll landen oder das Familienerbstück, statt weiterhin in der Familie zu bleiben, zum Antiquitätenhändler gebracht wird? Hätte die Verstorbene Verständnis dafür gehabt, wenn der Erbe, der momentan in großen finanziellen Schwierigkeiten steckt, den Schmuck verkauft? Menschen sind individuell; manche Hinterbliebene können von dem Verstorbenen reinen Gewissens sagen, es wäre ihm nicht wichtig gewesen und andere wissen genau, dass er es nie gestattet hätte, dass beispielsweise der Familienschmuck versetzt wird.

 

Doch es gibt Ausnahmen: Manche möchten vor der Haushaltsauflösung noch einmal ganz alleine in den Räumen sein. Aber auch hier gilt es, sich seelischer Unterstützung zu versichern. Sinnvoll ist es etwa, einen Freund vorab zu fragen, ob man ihn anrufen kann, wenn es einem doch schlecht geht.

 

Was nach der Haushaltsauflösung bleibt, kann man verschenken, spenden oder verkaufen, wobei auch hier gilt, was sinnvoll ist. Die Kleidung des Verstorbenen an eine Organisation für Obdachlose zu spenden mag zwar auf den ersten Blick eine gute Tat sein. Doch wenn es sich um Kleidung handelt, die schon seit einem halben Jahrhundert aus der Mode ist, wäre es vielleicht sinnvoller, die Textilien einer Organisation zu überlassen, die diese dem Recycling-Prozess zuführt. Und selbst bei neuer Kleidung sollte man sich fragen, an was für Bedürftige man sie spenden möchte: Organisationen, die Kleidung aus Europa in Entwicklungsländer schicken, mögen auf den ersten Blick zwar eine gute Wahl sein, schwächen aber durch ihre Importe von billig produzierten Textilien unbeabsichtigt die Textilindustrie in diesen Ländern. Und außerdem ist die Kleidung, die wir in Europa tragen ohnehin für die meisten Entwicklungsländer ungeeignet. Zudem gibt es soziale Einrichtungen, die sich über entsprechende Zuwendungen von Möbeln, Geschirr und Wäsche freuen und andere, die zwar auch soziale Einrichtungen sind, ebenfalls Spenden sammeln, aber für bestimmte Güter (z.B. Kleidung, Möbel oder Elektronik) keine Verwendung haben. Im Zweifelsfall sollte man sich auf der Homepage informieren oder nachfragen. Bei Organisationen, die Haushaltsauflösungen gegen Entgelt anbieten, sollte auch berücksichtigt werden, dass es mehrere davon gibt, die für ihre Leistungen jedoch nicht alle den gleichen Preis fordern und auch die Online-Bewertungen nicht bei allen Anbietern zufriedenstellend sind. Und auch hier, bei der Frage, was mit den nicht mehr benötigten Habseligkeiten des Verstorbenen geschehen soll, kann man als Freund des Trauernden seine Hilfe anbieten, indem man ihn berät oder – sollte man selbst auf diesem Gebiet keine Erfahrung haben – ihm anbietet entsprechende Recherche-Aufgaben für ihn zu übernehmen um ihm dann Tipps geben zu können, was man mit den verbliebenen Gegenständen machen kann.

 

Doris Schlapansky

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