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Der aktuelle Impuls

Carlo Acutis: „Die Messe ist die Autobahn in den Himmel”

 

Betrachtet man die Photos, stellt man fest, dass er in einer Klasse voll Gleichaltriger kaum auffallen würde. Er trägt Jeans, Sportjacke und Turnschuhe und auch die nicht zu kurzen Haare sind so, wie sie Jungs in dem Alter eben tragen. Leute, die ihn kannten, beschrieben ihn als „ganz normalen, einfachen, netten Jungen“, der Konflikte, wo er sie sah, zu schlichten versuchte, der lieber zuhörte, als zu reden, der aber auch manchmal „bockig“ sein konnte. Eine Lehrerin beschrieb sogar, dass Carlo Acutis manchmal im Unterricht gestört und sie ihn einmal sogar beim Abschreiben erwischt habe. Außerdem war er Fußball-Fan, spielte auch selber und mochte Computerspiele, sowie Comic-Helden. Ein ganz normaler Teenie eben!

 

Andererseits spielte der Glaube eine zentrale Rolle in seinem Leben. Er wusste, wie man neue Kommunikationstechniken einsetzt, um das Evangelium zu übermitteln. Und das zu einem Zeitpunkt, als manche katholische Einrichtungen noch nicht einmal Medienpräsenz betrieben und mancherorts sogar das Cliché herrschte, katholische Kirche sei mit modernen Medien, wie dem Internet nicht unbedingt vereinbar. Acutis dagegen half bereits im Alter von zehn Jahren - also in einem Alter, in dem die meisten Kinder das Internet für Computerspiele, Recherchen und die Kommunikation nutzen und in dem man sie regelrecht zwingen muss, damit sie den Anschluss an die Glaubensgemeinschaft nicht völlig verlieren - Priestern dabei, Websites für ihre Pfarreien einzurichten. Und vor allem warb er im Internet für seinen Glauben! Als Elfjähriger begann er mit großer Detailversessenheit, ein Online-Verzeichnis eucharistischer Wunder anzulegen. Dieses zu erstellen dauerte 2,5 Jahre, erforderte also für einen Jungen seines Alters ziemlich viel Durchhaltevermögen.

 

Auch in seinem Sprachgebrauch - online wie offline - kombinierte er einen eher modernen Sprachstil mit Glaubensbegriffen. Beispiele dafür sind „Autobahn in den Himmel“, das Internet sei „so cool, dass es ein Geschenk Gottes“ sein müsse und Cybermobbing sei eine „Plage“.

 

Die italienischen Medien beschrieben seine Seligsprechung recht gut mit folgendem Satz: „Zum ersten Mal in der Geschichte werden wir einen Heiligen in Jeans, Turnschuhen und einem Pullover sehen.“ Die jungen Menschen fänden in Carlo etwas, das zu ihnen spreche. Er sei ein Junge unserer Zeit, kein Heiliger aus dem Mittelalter. Er vermittle die Heiligkeit in einer Weise, die jeder verstehen kann, hieß es außerdem.

 

Seither wächst vor allem in Italien die Verehrung für den verstorbenen Teenager. Zur Seligsprechung in der Basilika des heiligen Franz von Assisi reisten etwa 3000 Pilger aller Altersgruppen an. Ungewöhnlich hoch für eine Seligsprechung war die Anzahl Jugendlicher und junger Erwachsener unter den Pilgerern, die vermutlich durch Carlo Acutis zum ersten mal erfahren haben, dass katholischer Glauben nicht rückständig und veraltet sein muss.

 

Ein Buch, das 2007 über Carlo Acutis‘ Leben in Italien veröffentlicht wurde, war sofort ausverkauft, obwohl das noch lange vor seiner Seligsprechung war. Der Gedanke, dass dieser Junge tiefgläubig war und trotzdem moderne Sachen, wie Comics, Computerspiele und Internet mochte und einen modernen Sprachstil pflegte, stieß einfach schon damals auf reges Interesse. Im Oktober 2013 berührte ein dreijähriges, an der Bauchspeicheldrüse erkranktes Kind in São Sebastião in Brasilien den als Reliquie ausgestellten Schal Carlo Acutis‘ und wünschte sich, sich „nicht mehr übergeben zu müssen“. Daraufhin wurde das Kind langsam wieder gesund. Damit konnte das Verfahren zur Seligsprechung von Carlo Acutis eingeleitet werden. Vom Vatikan unbestätigt gäbe es zwar noch ein zweites Wunder – die Heilung eines Herzkranken durch einen Priester, der eine Reliquie von Carlo Acutis bei sich hatte -, doch fußt das Seligsprechungsverfahren Carlo Acutis‘ auf dem Wunder der Genesung dieses schwerkranken Kindes. Die Heilung des herzkranken Mannes mithilfe einer Reliquie Carlo Acutis‘ wurde vom Vatikan noch nicht einmal offiziell bestätigt. Am 24. November 2016, zehn Jahre nach Carlo Acutis‘ Tod, beendete die Diözese Mailand ihre Untersuchung im Falle Carlo Acutis und kam zu dem Schluss, dass es sich hier um einen berechtigten Kandidaten für die Seligsprechung handle. Die Positio wurde der Kongregation für Heilig- und Seligsprechungsprozesse in Rom übergeben. Am 5. Juli 2018 wurde er von Papst Franziskus für ehrwürdig erklärt. Im Februar 2020 erkannte der Papst per Dekret das Wunder an, dass ein Kind nach Berühren eines Schals von Carlo Acutis von einer schweren Krankheit geheilt wurde. Am 10. Oktober 2020 erfolgte die Seligsprechung in der Basilika di San Francesco in Assisi.

 

Das virtuelle Verzeichnis über eucharistische Wunder, das Carlo Acutis erstellt hat, ist heute übrigens in 17 Sprachen im Internet verfügbar.


Quellen:

 

 

Da ich einige wenige Informationen aus Flyern zu kirchlichen Aktionen entnahm und andere mündlich erfuhr, konnten nicht alle Quellen berücksichtigt werden!

 

Doris Schlapansky  

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